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Referenzpathologie

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Harald Stein

Koordinierender Referenzpathologie der GHSG

Kontakt

Berliner Referenz- und Konsultationszentrum für Lymphom- und Hämatopathologie 
am Institut für Pathodiagnostik Berlin
Komturstrasse 58-62
12099 Berlin

Sekretariat: Angela Wagner
Telefon: +49 30 236 084 210
Telefax: +49 30 236 084 219
E-Mail: h.stein@pathodiagnostik.de

Entwicklung und Organisation

Die Reproduzierbarkeit histopathologischer Diagnosen war über Jahrzehnte sehr unbefriedigend. Ein Zeichen hierfür waren die vielen unterschiedlichen, Klassifikationssysteme, die sich inhaltlich unvereinbar gegenüberstanden. Die Situation besserte sich durch bahnbrechende Erkenntnisse der Immunologie in den 1970er und Folgejahren. Die für die Lymphomklassifikation und Diagnostik wichtigsten Entdeckungen sind: 

  •  dass die Lymphozyten keine terminal differenzierten Zellen sind, sondern auf Signale zu vermehrungsfähigen Blasten transformieren können 
  •  dass das lymphatische System sich hauptsächlich aus zwei herkunftsmäßig und funktionell unterschiedlichen Zellarten, den B-Zellen und den T-Zellen zusammensetzt;
  • dass die B- und T-Zellen sehr zahlreiche unterschiedliche Differenzierungsformen mit unterschiedlichen Funktionen aufweisen. 

Weitere entscheidende Fortschritte waren die Entdeckung morphologischer, immunphänotypischer und genetischer Merkmale, mit Hilfe derer viele unterschiedliche Lymhomkrankheiten entsprechend ihrer zellulären Herkunft präzise definiert werden konnten. Es zeigte sich aber auch, dass die Anwendung der genannten sehr komplex gewordenen diagnostischen Merkmale bei den lymphatischen Neoplasien  nur zu einer hohen diagnostischen Reproduzierbarkeit führt, wenn diese von Pathologen angewandt werden, die sich auf die Lymphom- und Hämatopathologie spezialisiert haben und sich ständig wissenschaftlich und diagnostisch mit den Krankheiten dieses Systems befassen. 

Um eine höchst mögliche Korrektheit und Reproduzierbarkeit in der Diagnostik der Patienten der Deutschen Hodgkin Studiengruppe zu erreichen, wurde schon frühzeitig eine referenzpathologische Zweitbegutachtung durch ein Panel von vier Referenzpathologen eingeführt. Diese erfolgte in den ersten Jahren (1984 bis 1996) retrospektiv in Mikroskopierrunden, an denen alle vier Referenzpathologen teilnehmen mussten. Diese Organisationsform der Referenzpathologie war wegen des steilen Anstiegs der Zahl rekrutierter Patienten in diesen Studien schließlich nicht mehr zu leisten. Deshalb wurde 1996 die Referenzpathologie auf eine prospektive Begutachtung umgestellt, in dem jetzt die Zweitbegutachtung sehr zeitnah (möglichst vor Beginn der Therapie) nur noch durch einen der Referenzpathologen durchgeführt und die Zahl der Referenzpathologen auf sechs erhöht wurde. Um die Korrektheit und Reproduzierbarkeit der Diagnostik innerhalb der Referenzpathologen sicher zu stellen, treffen sich die sechs Referenzpathologen regelmäßig zu gemeinsamen Mikroskopierunden, in denen vornehmlich die Fälle mit diskrepanten Diagnosen zwischen dem Primärpathologen und dem Referenzpathologen zunächst im Einzelmikroskpierverfahren und dann gemeinschaftlich an einem Mehrplatzmikroskop begutachtet werden. Dieses Verfahren hat sich bewährt und eine hohe Übereinstimmung in der Diagnostik zwischen den sechs Referenzzentren sichergestellt.

In den letzen 15 Jahren wurden ca. 10.000 Proben im Rahmen der GHSG Studien durch die Referenzpathologen beurteilt. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle stimmen die Diagnosen mit denen der Primärpathologen überein. In 3-5% aller Fälle liegt jedoch ein anderes Lymphom (z.B. NHL) vor oder es ergibt sich kein Anhalt für eine Maligne Erkrankung. Diese Ergebnisse  unterstreichen die Bedeutung der referenzpathologischen Befundung.

Diagnostische Kriterien

Zur referenzpathologischen Diagnostik werden zur Diagnostik und Typisierung der Hodgkin Lymphome die Kriterien der 2008 WHO Lymphomklassifikation angewandt. Das heißt die morphologische Diagnostik wird durch eine immunhistologische Diagnostik ergänzt und abgesichert. Die immunhistologsiche Diagnostik umfasst folgende Markermoleküle: 

Klassisches Hodgkin-Lymphom: CD30+, CD15, LMP-1, PAX5, CD20 und CD3. Bei Problemfällen werden noch folgende Immunreaktionen zusätzlich durchgeführt: IRF4/MUM1, Oct2A und BOB.1, ALK, Perforin 

Lymphozytenprädominantes Hodgkin Lymphom: CD20, Oct2A, J-Kette, CD30

Referenzpathologen:

  • Prof. Dr. med. H. Stein, Berlin (Koordinator)
  • Prof. Dr. med. W. Klapper, Kiel
  • Prof. Dr. med. A. Rosenwald, Würzburg
  • Prof. Dr. med. A. C. Feller, Lübeck
  • Prof. Dr. med. M.-L. Hansmann, Frankfurt
  • Prof. Dr. med. P. Möller, Ulm