Nebenwirkungen der Strahlentherapie
Bei der Strahlentherapie kann es ebenso wie bei der Chemotherapie zu akuten Reaktionen kommen. Diese sind von den Bestrahlungsfeldern abhängig. Hautveränderungen, Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen und Entzündungen der Schleimhäute können während oder gegen Ende der Behandlung auftreten, bilden sich meist jedoch zurück und sind individuell unterschiedlich stark ausgeprägt.
Herz und Lunge
Eine Strahlenschädigung der Lunge (Lungenfibrose) ist nach Bestrahlung des Brustbereiches (mediastinale Bestrahlung) oft zumindest vorübergehend nachweisbar, macht aber zumeist keine Beschwerden. Schwerwiegender, jedoch extrem selten, sind nicht-infektiöse Entzündungen der Lunge (Strahlenpneumonitis) und des Herzens (Myo- und Perikarditiden). Sie können erst mehrere Wochen oder Monate nach einer Mediastinalbestrahlung auftreten und erhebliche Krankheitsbeschwerden, vor allem aber eine langfristige Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit verursachen. Außerdem sind Veränderungen der Herzkranzgefäße vergleichbar einer koronaren Herzerkrankung möglich, die erst Monate bis Jahre nach Abschluss der Therapie auffällig werden und behandelbar sind.
Schilddrüse
Bei einigen Patienten sind Schilddrüsenfunktionsstörungen nach Bestrahlung der Halslymphknoten festgestellt worden. Zumeist manifestieren sich diese Störungen als Unterfunktion mit relativ uncharakteristischen Beschwerden wie allgemeiner Schwäche, leichter Ermüdbarkeit, ständigem Frieren, Gewichtszunahme und Konzentrationsschwäche. Die Schilddrüsenunterfunktion muss dann durch die Einnahme von Schilddrüsenhormon ausgeglichen werden.
Fruchtbarkeit
Nach Bestrahlung des Beckens muss bei Frauen im Alter von 35-45 Jahren mit einer vorzeitigen Menopause mit den entsprechenden Beschwerden der Wechseljahre wie Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Herzjagen und Schlafstörungen gerechnet werden. Bei jüngeren Frauen treten die klimakterischen Beschwerden relativ selten auf und bilden sich häufig wieder zurück. Bei Männern kann es zu einer vorübergehenden Zeugungsunfähigkeit kommen, die sich bis zu drei Jahre nach der Therapie zurück bilden kann.
Wichtig ist, dass es keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Schädigungen bei Kindern von erfolgreich chemo- oder strahlentherapeutisch behandelten Eltern gibt. Missbildungen treten nicht häufiger auf als bei Kindern unbehandelter gesunder Eltern. Somit gibt es keinen Grund, von einer Schwangerschaft nach chemo- und/oder strahlentherapeutischer Behandlung abzuraten, wenn diese möglich ist.
Fatigue
Fatigue als ein andauerndes, subjektives Gefühl der physischen, emotionalen und/oder geistigen Erschöpfung ist bei vielen Patienten bereits vor Einleitung einer Behandlung zu beobachten. Nach Untersuchungen der GHSG hat die Behandlung des Hodgkin Lymphoms keinen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Fatigue. Bislang existieren nur wenige Behandlungsempfehlungen. Sport könnte nach ersten Studienergebnissen einen positiven Einfluss haben.
Zweittumore (Sekundärneoplasien)
Die schwerwiegendste Spätfolge sowohl der Chemotherapie als auch der Strahlentherapie ist das erhöhte Risiko für die Entwicklung von sogenannten Zweittumoren (Non-Hodgkin Lymphome, Leukämien, solide Tumore). In der lebenslang durchgeführten Nachsorge bei Hodgkin-Patienten wird deshalb auf eine allgemeine Krebsvorsorge besonderer Wert gelegt.
Es ist das höchste Bestreben der derzeitigen klinischen Forschung, die Nebenwirkungen und Spätfolgen sowie das Risiko für das Auftreten von Zweittumoren durch eine Optimierung der Behandlungsmethoden zu reduzieren.
