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Nebenwirkungen der Chemotherapie

Die akuten Nebenwirkungen der Chemotherapie sind individuell unterschiedlich stark ausgeprägt. Übelkeit und Erbrechen, die mehrere Stunden nach Verabreichung der Medikamente auftreten, können durch gegenwirkende Medikamente (Antiemetika) erheblich abgeschwächt werden. Ein fast immer eintretender Haarverlust bildet sich nach Abschluss der Therapie nahezu immer zurück. Ein dauerhafter Haarverlust ist äußerst selten.

Blut

Von großer Bedeutung für die Therapiedurchführung ist die Schädigung des Knochenmarks durch die verabreichten Medikamente. Sie spiegelt sich in Veränderungen des Blutbildes wider und sollte regelmäßig und engmaschig kontrolliert werden. Sinkt die Konzentration der weißen Zellen im Blut (Leukozyten), so ist mit einer erhöhten Infektionsgefahr zu rechnen, die sich insbesondere als Mund- und Nasen-Rachen-Raum-Infektion oder als Lungenentzündung ausdrücken kann. Neuere Medikamente, die subkutan (unter die Haut) gespritzt werden, können die Zeit der Infektionsgefahr verkürzen. Sehr selten kommt es zu spontanen Blutungen, bedingt durch einen Abfall der Blutplättchen (Thrombozyten). Allgemeine Schwäche, leichte Ermüdbarkeit und Kurzatmigkeit können durch einen Abfall der roten Blutzellen (Erythrozyten) bedingt sein. Nur selten ist allerdings eine Bluttransfusion notwendig. Eine Erholung des Blutbildes sollte vor jedem neuen Chemotherapiezyklus eingetreten sein.

Fruchtbarkeit und Hormone

Ob es zu einer bleibenden Zeugungsunfähigkeit bei Männern kommt, ist offenbar von der Dosierung einiger der eingesetzten Medikamente abhängig. Gerade bei jungen Männern muss diese Spätfolge im Aufklärungsgespräch zwischen Arzt und Patient dargelegt werden, und wenn ein Kinderwunsch besteht, sollte vor Therapiebeginn die Möglichkeit einer Spermakryokonservierung (Einfrieren von Sperma) in Betracht gezogen werden.

Bei Frauen muss mit einer vorzeitig einsetzenden Menopause gerechnet werden. In Abhängigkeit vom Alter der Patientin und der Gesamtdosis der verabreichten Zytostatika kann es jedoch zu einer Erholung der Eierstöcke und der Empfängnisfähigkeit kommen. Dabei kann die Periode auch noch ein Jahr nach Therapieende spontan wieder einsetzen. Allerdings sollte ein Mangel an weiblichen Hormonen (Östrogene) aufgrund der Gefahr einer frühzeitigen Osteoporose (Verringerung der Knochendichte) zeitweise oder auf Dauer ausgeglichen werden, sofern entsprechende Beschwerden vorliegen. Eine diesbezügliche fachärztliche Beratung durch Gynäkologen und/oder Endokrinologen nach Abschluss der Therapie ist anzuraten.

Bereits vor Beginn der Therapie sollten eine genaue Zyklusanamnese und eine Hormonbestimmung stattfinden. Das sogenannte Anti-Müller-Hormon ist in diesem Zusammenhang Gegenstand der aktuellen Forschung. Nach ersten Erkenntnissen scheint dieses Hormon ein Marker der Follikelreserve zu sein, also der Zellen, die noch zu reifen Eizellen heranreifen können.

Zum Schutz der Eierstöcke kann die Einnahme der „Pille“ oder die Verabreichung von sogenannten GnRH-Analoga erwogen werden. Beide beeinflussen den weiblichen Zyklus und verhindern das Heranreifen von Eizellen. Möglicherweise kann so eine Schädigung der Eierstöcke und der Eizellen verhindert werden. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, herangereifte Eizellen zu entnehmen und sie befruchtet oder unbefruchtet tief zu gefrieren (Kryokonservierung). Eine weitere Option stellt das Einfrieren von Eierstocksgewebe dar. 

Zum Erhalt der Fruchtbarkeit haben sich einige Universitätskliniken zu einem besonderen Projekt mit dem Namen „FertiPROTEKT“ zusammengeschlossen. Nähere Informationen finden sich unter www.fertiprotekt.de. Frauen sollten möglichst zu einer Beratung an einem der teilnehmenden Zentren vorgestellt werden. Nach Abschluss der Therapie ist bei einer eventuellen Schwangerschaft nicht mit einem erhöhten Fehlbildungsrisiko zu rechnen.

Herz und Lungenfunktion

Auch Herz und Lunge können durch bestimmte Substanzen einer Chemotherapie gestört werden. Störungen der Herzfunktion sind zumeist dosisabhängig und werden durch individuelle Faktoren mit beeinflusst. Sie betreffen die Pumpfunktion des Herzens, den Herzrhythmus und die Durchblutung der Herzkranzgefäße. Akute Beschwerden sind fast immer reversibel. Beschwerden, die erst nach Abschluss der Therapie auftreten, sind dagegen häufiger von Dauer. Auch die Lungenfunktion kann in Form einer Entzündung oder durch eine Veränderung des Lungengewebes beeinträchtigt werden. Auch hier sind schwere Schäden meist dosisabhängig. Deutlich seltener sind akute Entzündungen der Lungenbläschen, die unabhängig von der Dosis auftreten können. Aufgrund der geschilderten möglichen Nebenwirkungen werden sowohl zu Beginn wie auch nach Abschluss der Therapie Untersuchungen von Herz und Lunge durchgeführt.

Nerven

Im Verlauf einer Chemotherapie kann es zu Gefühlsstörungen in Händen und Füßen kommen. Diese äußern sich meist als Kribbeln und Pelzigkeitsgefühl. Je nach Ausmaß der Beschwerden kann das ursächliche Medikament durch ein anderes ersetzt oder ganz abgesetzt werden.