Chemotherapie
Die Chemotherapie beim Hodgkin Lymphom besteht aus verschiedenen Medikamenten, die entweder zellschädigend (zytotoxisch) oder wachstumshemmend wirken und als Zytostatika bezeichnet werden. In der Regel werden verschiedene Zytostatika miteinander zu einer sogenannten Polychemotherapie kombiniert. Nach international anerkannten Therapieprotokollen werden die Zytostatika in einer bestimmten Dosierung und zeitlichen Abfolge, einem Zyklus, verabreicht.
In Deutschland kommen heute vor allem das sogenannte ABVD-Schema und das BEACOPP-Schema zur Anwendung. Die Abkürzungen stehen für verschiedene Zytostatika, wie z.B. ABVD für Doxorubicin, Bleomycin, Vinblastin und Darabazin. Die Schemata werden solange wiederholt, bis eine festgelegte Zykluszahl erreicht ist. Im Anschluss an die Chemotherapie wird falls notwendig eine Strahlentherapie durchgeführt. Welches Therapieschema zur Anwendung kommt und in welcher Zykluszahl, hängt jeweils vom Stadium der Erkrankung ab.
Bei den frühen Erkrankungsstadien Stadium I und II ohne Risikofaktoren werden in der Regel außerhalb von Studien zwei Zyklen Chemotherapie (ABVD) gefolgt von einer Bestrahlung (20 Gy – IF) empfohlen.
Bei den mittleren, intermediären Stadien I und IIA mit einem oder mehr Risikofaktoren bzw. IIB nur mit dem Risikofaktor hohe Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und/oder mit drei oder mehr befallenen Lymphknotenarealen werden außerhalb von Studien vier Zyklen Chemotherapie (2 x BEACOPPeskaliert + 2 x ABVD) gefolgt von einer Bestrahlung (30 Gy – IF) empfohlen.
In den fortgeschrittenen Stadien Stadium IIB mit Risikofaktoren Extranodalbefall und/oder großem Mediastinaltumor sowie Stadien III und IV werden in der Regel acht Zyklen Chemotherapie gegeben. Das entspricht etwa einer Therapiedauer von sechs bis sieben Monaten. Der Standard der Deutschen Hodgkin-Studiengruppe (GHSG) zur Behandlung von Hodgkin-Patienten bis 60 Jahre in fortgeschrittenen Stadien außerhalb von Studien ist zur Zeit 8 x BEACOPPeskaliert (Version des BEACOPP-Schemas mit gesteigerter Dosis) plus eine anschließende Strahlentherapie (30 Gy IF, Erklärung siehe unten) auf verbliebenes PET-positives Restgewebe ≥ 2,5 cm. Aktuell wird die Studie HD18 durchgeführt.
Für Patienten in fortgeschrittenen Stadien, die älter als 60 Jahre sind, ist der derzeitige Standard außerhalb von Studien die Gabe von 6 – 8 Zyklen des ABVD- Schemas, je nach Ansprechen und Nebenwirkung. Als Studie rekrutiert die AVD-Rev Studie.
Eine Ausnahme stellt das "noduläre lymphozyten-prädominante Hodgkin Lymphom" im lokal begrenzten Stadium IA dar. Diese Lymphome verlaufen meist mit einer so guten Prognose, dass in ihrem Fall eine alleinige Bestrahlung (30 Gy IF, siehe unten) ohne vorhergehende Chemotherapie gewählt werden kann. In Studien wurde auch ein möglicher Einsatz des Antikörpers Rituximab, der sich bereits in der Behandlung von Non-Hodgkin-Lymophomen bewährt hat, an Stelle einer Bestrahlung geprüft. Diese Studien werden in Kürze ausgewertet werden.
